„Autonome Nationalisten Göppingen“ – Was ist das und wer sind sie? Diese neofaschistische Gruppierung ist seit etwa 2 Jahren hier im Kreis aktiv. Es sind Nazis, die in neuem Gewand auftreten: Äußerlich schick und modern, sie sind im Alltag nicht als Nazis erkennbar. Anleihen im Stil holen sie sich bei anderen jugendlichen Subkulturen: Baseballmützen und Kapuzenpullis oder Piercings und Tattoos. Sie verwenden nicht die Symbolik des Dritten Reiches, sondern bedienen sich unverschämt bei den linken Autonomen. Mancher Aufkleber oder manches Plakat der Autonomen Nationalisten kann erst auf den zweiten oder dritten Blick als Nazipropaganda erkannt werden. Diese äußere Mogelpackung kann uns und euch aber nicht täuschen: Es sind Nazis und Faschisten.Faschisten wollen die Entmündigung und Gleichschaltung der Menschen, wir aber kämpfen für die Emanzipation und die Freiheit aller Menschen. Faschisten entwerten mit ihrem Rassismus Menschen, für uns aber haben alle Menschen die gleichen Rechte. Faschisten wollen eine sogenannte Volksgemeinschaft. Das bedeutet Krieg gegen nach Innen gegen alle, die nicht in ihr Konzept passen. Und dieser Nationalismus bedeutet auch Krieg nach Außen. Wir wollen weder Krieg, noch Volk, noch einen Führer!
Diese Autonomen Nationalisten Göppingen sind lokal und unabhängig. Sie vernetzen sich aber bundesweit mit dem sogenannten „Nationalen Widerstand“. In ganz Deutschland treten sie bei faschistischen Demonstrationen als namentlich gekennzeichneter Block aus Göppingen auf. Im Kreis haben sie dieses Jahr innerhalb kürzester Zeit vier Mal demonstriert und dazu Nazis aus der Region mobilisiert. Hier vor Ort arbeiten sie mit der NPD und deren Jugendorganisation JN zusammen.
Die AN profilieren sich durch Aktionismus, weniger durch Inhalte oder Wahlkampfveranstaltungen. Vor allem suchen sie die direkte Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. Linke Stadtrat Stähle bekam eine ernstzunehmende Morddrohung nachdem schon die Bremsschläuche an seinem Auto manipuliert wurden und ein Brandsatz in seinem Briefkasten war. Veranstaltungen seiner Partei werden gestört. Bei einer wurde ein Antifaschist unter Zeugen von den Nazis bedroht mit „bald bist du fällig“. Es kam damals zu einer Anzeige. Die Ermittlungen wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Letzter Samstag wurde dieser Antifaschist feige von vier Nazis von hinten überfallen und zusammengeschlagen. Wir aber lassen uns nicht einschüchtern! Wir bleiben solidarisch!
Inhalte der Faschisten wie Rassismus, Antisemitismus und Schwulenfeindlichkeit reichen weit in die bürgerliche Mitte der Gesellschaft in Deutschland. Regelmäßige Umfragen namhafter Institute belegen dies. Das ist erschreckend. Erschreckender ist aber noch, dass hier im Kreis Göppingen solche Inhalte direkt und offen bei den bürgerlichen Konservativen zu finden ist:
Die „Eislinger Erklärung“ der Jungen Union – Jugendorganisation der Kanzlerpartei CDU – hätte direkt aus der rechten Ecke stammen können. Der zähe Streit um die Zurücknahme und die Verteidigung dieser Erklärung als wortwörtlich „Diskussionsgrundlage“ durch lokale CDU Führer wurde bundesweit in allen Medien mit Staunen bis Entsetzen verfolgt. Hier im Kreis war es irgendwie „normal“. Wir wehren uns gegen diese Normalität. Wir wollen nicht, dass die Faschisten ihre Forderungen über rechtsbürgerliche Parteien platzieren können.
Aber nicht nur der politische Konservatismus hegt seltsame Ansichten in Göppingen. Der Oberbürgermeister von Göppingen – ein ehemaliges Mitglied der SPD – meinte zur Gründung des Bündnis Kreis Göppingen Nazifrei, „dies würde erst das Problem – also die Nazis – anziehen“ in einem Interview mit der Zeitung NWZ. Zu diesem Zeitpunkt hatten diese Nazis aber schon unter seinem Fenster vor dem Göppinger Rathaus demonstriert.
Während diese Lokalzeitung NZW über „Fingerhakeleien zwischen rechts und links“ schreibt, hatten die Rechten den Linken Stähle schon mit Mord bedroht. Trotzdem erzählt die Polizei dem Göppinger Gemeinderat, es gäbe kein Naziproblem, „weil diese im Kreis kein Vereinsheim hätten und keine Skinheadkonzerte abhalten würden“. Reichen vier Nazidemonstrationen nicht aus, um zu erkennen, dass die Nazis hier sehr wohl ein Problem darstellen?
Diese sind gar noch so frech und tauchen beim Gründungstreffen des Bündnis KGN auf, bleiben im Saal, provozieren die Anwesenden. Weil mutmaßlich die Polizei verlautete, das dürften sie, es sei ja eine öffentliche Veranstaltung. Nach einer Stunde wurde endlich vom Hausrecht Gebrauch gemacht. Aber dann war selbst von einem bekannten Vertreter der Grünen zu hören: „die Nazis hätten ja auch eine Meinung und hätten ruhig im Saal bleiben dürfen, um mit ihnen zu diskutieren.“ Wir diskutieren nicht mit Nazis. Die Meinung der Nazis bedeutet Krieg und Faschismus. Die Nazis wollen keine Meinungsfreiheit mit ihrem Faschismus. Faschismus ist keine Meinung! Faschismus ist ein Verbrechen! Es gibt kein ruhiges Hinterland in Göppingen! Gemeinsam aktiv gegen Faschismus!

