Zum Todestag von Karl Dingler


Der Metallarbeiter Karl Dingler war der Motor der anarcho-syndikalistischen Bewegung Göppingens in den 1920er Jahren und darüber hinaus einer ihrer tragenden Säulen für ganz Württemberg. Nach dem Krieg zog er mit den meisten Stimmen in den ersten demokratisch gewählten Stadtrat nach der Naziherrschaft in Göppingen ein. Wer war Dingler?
Mitte der zwanziger Jahre begann seine Tätigkeit in der FAUD-Göppingen, welcher dieser sehr gebildete Arbeiter besonders auf dem kulturellen Sektor zur Geltung verhelfen konnte. Den Göppinger Ortsverein der „Gilde freiheitlicher Bücherfreunde“ (GfB), eine Unterorganisation der FAUD, formte er Anfang der dreißiger Jahre zu eine der größten im Reichsgebiet. Vorort hatte sie z.B. mehr Mitglieder als die sozialdemokratische Büchergilde. Dingler hielt Vorträge und schrieb in der FAUD-Zeitung „Der Syndikalist“ und in „Besinnung und Aufbruch“, dem Organ der GfB.
Seine versierte und zuverlässige Aktivität ließ Karl Dingler schon bald die Aufmerksamkeit u.a. von Rudolf Rocker und Erich Mühsam zukommen, woraus sich schließlich Freundschaften entwickelten. Rocker war zu Beginn der dreißiger Jahre in Göppingen auf Veranstaltungen der GfB genauso als Referent zu Gast wie der Schriftsteller Theodor Plievier und die weltbekannte Anarchistin Emma Goldman. Bei den Reichskongressen der FAUD der Jahre 1930 und 1932 vertrat Dingler gleich mehrere Ortsvereine Württembergs.

1933-1945

Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, entfaltete Dingler zusammen mit seinem Nachbarn Otto Müller kleinere Widerstandsaktivitäten. Er verbrachte deswegen Zeit im Gefängnis, in der sogenannten Schutzhaft, welche ihm körperlich stark zusetzte.

Nach 1945

Vertreten war Dingler (Werkmeister und Betriebsrat), genauso wie der Anarcho-Syndikalist Hugo Rentschler im ersten Stadtparlament Göppingens. Damit folgten sie einem allgemeinen strategischen Trend innerhalb der Föderation freiheitlicher Sozialisten (FFS), der Nachfolgeorganisation der FAUD, deren aktive Mitglieder sie waren. Als Stadtrat setzte er, einmalig in der BRD, einen Erich-Mühsam-Platz im Göppinger Stadtteil Holzheim durch. Auch nach dem Krieg organisierte Dingler Vorträge, u.a. wieder mit Theodor Plievier, der seinen Vortrag dazu nutzte aus der Sowjetzone, wo er ins thüringische Landesparlament auf der SED-Liste gewählt worden war, zu Dingler zu fliehen. Dingler hielt regelmäßigen Briefkontakt zu Rudolf Rocker in den USA, so dass seine Briefe im Nachlass Rockers (beim IISG in Amsterdam) Aufschluss über manches Schicksal ehemaliger FAUD-Genossen geben. Zu Dinglers baldigem Tod am 24. Mai 1950 erschien ein Nachruf von Helmut Rüdiger in „Die freie Gesellschaft“ (DFG), der Zeitung der FFS, welcher sein freiheitlich-sozialistisches Wirken zu würdigen wusste.

 

Literatur

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