Die organisierte rechte Szene in Göppingen ist nach wie vor aktiv. Folgend unsere Pressemitteilung zu den Naziaktivitäten im November.Am frühen Abend des 19. November kam es vor dem Göppinger Rathaus zu verbalen Angriffen und Provokationen durch Neonazis. Anlass war eine Infoveranstaltung von Stadtverwaltung und Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema Rechtsextremismus. Die Nazis waren vorher im Rathaus und bekamen Hausverbot. Dann fand eine Veranstaltung für sie hinter verschlossenen Türen statt. Paradoxerweise ging es um das Thema, wie man Nazis erkennen kann, während diese in Natura draußen vor der Tür rumpöbelten. Nach Ende der Veranstaltung beschimpften und bedrohten die auf ein Dutzend angewachsene Faschisten die anwesenden NazigegnerInnen. “Am 12. Oktober wurden AntifaschistInnen grundlos gekesselt. Bedrohen jedoch Nazis Menschen, so ist die Polizei nicht Willens gegen sie vorzugehen. AntifaschistInnen mussten die Stadt verlassen, während die Nazis den Marktplatz in Beschlag nahmen.”, so Johannes Schultes, Pressesprecher der Antifaschistischen Gruppe Göppingen.
Am 9. November fand eine städtische Veranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am Platz der ehemaligen Synagoge statt. Diese musste unter Polizeischutz durchgeführt werden. Trotzdem klingelte während einer Rede in einem nahen Gebüsch ein versteckter Wecker. Der Bürgermeister Till wurde vom jüdischen Holocaustüberlebenden Raphael Mizrahi wegen fehlender finanzieller Unterstützung für ein mögliches Gedenkzentrum im Lauchheimer Haus kritisiert. Herr Till verschwand im Gegensatz zu den letzten Jahren dann auch schnell und ohne Händeschütteln. Später jagten ein halbes Dutzend Neonazis aus dem Umfeld der “Autonomen Nationalisten Göppingen” drei junge Antifaschisten quer durch die Stadt.
Zum Volkstrauertag am 17.11. gab es einen Rückschlag für die Göppinger Nazis. Ihr sogenanntes “Heldengedenken”, bei dem Geschichtsverfälschung und Verherrlichung des Nationalsozialismus betrieben wird, fand klammheimlich und im kleinen Kreis in der Nacht in Eybach statt. Durch Anwesenheit vieler Antifaschisten konnten sie sich im Gegensatz zum letzten Jahr nicht tagsüber treffen. Es war den Nazis dadurch auch nicht möglich, ihre Veranstaltung am noch von den Altnazis errichteten Soldatendenkmal in der Oberhofenparkanlage abzuhalten.
Auch im Innenstadtbereich von vor allem Göppingen, Uhingen und Eislingen finden sich immer wieder in großer Anzahl angebrachte Naziaufkleber. Diese bleiben hängen, weil sich zu Wenige daran stören. Dadurch interpretieren die Neonazis dies, als ob ihnen die Stadt gehören würde und in der sie tun und lassen können was sie wollen. “Jeder einzelne kann diese Naziaufkleber in seiner Straße entfernen. Das wäre ein kleiner aber erster wichtiger Schritt um Paroli zu bieten”, meint Barbara Hoffmann von der Antifaschistischen Gruppe Göppingen.
“Es wird Zeit, dass wir Göppinger mehr tun, als uns nur fotografieren zu lassen, um Gesicht gegen Rechts zu zeigen” meint Johannes Schultes der Sprecher der Antifaschistischen Gruppe. “Zivilcourage muss stattdessen gezeigt und geübt werden, wenn Nazis durch die Stadt rennen und Menschen anpöbeln und oder sogar jagen.” Die Gruppe erinnert daran, dass es schon zu einigen gewalttätigen Übergriffen durch Nazis gekommen ist, wie letztes Jahr im Juni in Geislingen oder im März in Göppingen (die Presse berichtete).
Pressemitteilung der Antifaschistischen Gruppe Göppingen, den 28.11.2013

