Runder Tisch wird eckig und recht geheim

OB_Till_KonterfeiAm Montagabend soll erstmals der Runde Tisch wegen der Göppinger Nazidemos tagen. Allerdings nichtöffentlich, das sorgt für Ärger und Enttäuschung. Nach den Vorkommnissen rund um den Aufmarsch von Neonazis im Oktober 2013 soll heute Abend erstmals ein von vielen Seiten geforderter Runder Tisch stattfinden. Doch die Teilnehmer tagen hinter verschlossenen Türen. “Eventuell gibt es hinterher eine Pressemitteilung”, sagt Rathaus-Sprecher Olaf Hinrichsen. Zudem handele es sich gar nicht um einen “Runden Tisch”, sondern um eine “Gesprächsrunde”.

Das Vorgehen der Göppinger Stadtverwaltung sorgt bei engagierten Bürgern für Kopfschütteln. So etwa bei Klaus Maier-Rubner von der Stolperstein-Initiative, die auch in der Hohenstaufenstadt an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert. Er wollte mit Bekannten an dem Treffen teilnehmen. Eine Einladung hat er aber nicht erhalten. Und da nun nichtöffentlich getagt werde, brauche er sich auch nicht auf den Weg ins Rathaus machen. “Das ist etwas befremdlich”, meint Maier-Rubner, “wenn man davon ausgeht, dass man einen Runden Tisch mit vielen Beteiligten will, ist das nicht das richtige Vorgehen.”

Auch Stadtführerin Claudia Liebenau-Meyer hätte gerne über ein Konzept für künftige Aufmärsche diskutiert. “Wer hat das denn angeordnet?, fragt sie sich nun wegen der Nichtöffentlichkeit. Auch sie ist in der Stolperstein-Initiative engagiert und meint: “Der historische Hintergrund gehört ja auch dazu.” Sie hat auch ein passendes Beispiel parat: “1922 haben die Leute auch so reagiert: Ach, die Nazis sind ja nicht so wild. Da gibt es Parallelen.”

Eingeladen sind zu der Veranstaltung heute Abend unter anderem der Verein Kreis Göppingen nazifrei, Vertreter der Polizei, der Kirchen und Gewerkschaften sowie Gemeinderäte. Nicht dabei ist aber ein zweites Bündnis, das zu Gegendemonstrationen aufgerufen hatte: das Bündnis Nazis stoppen. Hier ist neben verschiedenen Gruppierungen wie etwa der Verdi-Jugend auch die Antifaschistische Gruppe Göppingen aktiv. Im Gegensatz zu “Kreis Göppingen nazifrei” setzt dieses Bündnis auch auf friedliche Blockaden als Mittel des zivilen Ungehorsams. Die Antifaschisten organisieren auch Veranstaltungen, so gab es unlängst ein Gedenken an das mutmaßliche Naziopfer Johann Gahr, der 1939 starb. Auch Gahrs Enkelin reiste aus Bayern an.

“Das ist unsere Jugend, das geht nicht”, kritisiert Claudia Liebenau-Meyer die Tatsache, dass die Antifaschisten nicht ins Rathaus eingeladen wurden. Das sei ja gerade der “Hauptkritikpunkt” am seitherigen Vorgehen bei den Demos gewesen: “Dass nicht alle an einen Tisch kommen.” Auch Klaus Maier-Rubner zeigt kein Verständnis: “Wenn man die nicht einlädt, ist ein wesentlicher Teil der Gegendemonstranten nicht dabei.” Johannes Schultes, Sprecher der Antifaschistischen Gruppe, bedauert ebenfalls, keine Einladung erhalten zu haben: “Längerfristig wäre der Austausch über und ein gemeinsames Vorgehen gegen die Naziszene vor Ort wichtig.” Er könnte sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen: “Grundsätzlich sind wir offen für breite gesellschaftliche Bündnisse und würden uns daher über eine Einladung freuen.”

Alex Maier, Vorsitzender von “Kreis Göppingen nazifrei”, hatte den Runden Tisch angeregt und auch gefordert, öffentlich zu tagen. “Wir finden es schade, dass es jetzt nichtöffentlich ist”, meint er nun. “Ich bin mal gespannt, obs da irgendeine Begründung dafür gibt.” Nun sei wichtig, dass wenigstens die Ergebnisse öffentlich diskutiert werden. Und weiter: “Unser Wunsch ist, dass die Treffen regelmäßig und öffentlich stattfinden.”

Quelle: SWP vom 3.2.2014

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Gespraeche-ueber-Vorgehen-bei-Nazidemos;art5583,2430514

 

 

 

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