Nationalismus war Hauptgrund für den Völkermord

Diese Person war am Montag nicht anwesend.

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Am vergangenem Montag war der Journalist Jürgen Gottschlich in der Göppinger Stadthalle und stellte sein jüngst erschienenes Buch „Beihilfe zum Völkermord“ vor. Gottschlich lebt und arbeitet in Istanbul. Aus der Türkei berichtet er für mehrere deutsche Tageszeitungen. In seinem Buch do-kumentiert er die Verstrickung des Deutschen Reiches am Genozid an Armenier, Suryoye und Pontosgriechen vor 100 Jahren. Heute ist kaum noch bekannt wie das damalige Osmanische Reich, also die heutige Türkei und Deutschland verbündet waren. Mehrere osmanische Armeen wurden direkt von deutschen Offizieren befehligt bzw. waren als Generalstabschef an oberster Stelle verantwortlich. Fast alle osmanischen Offizieren durchliefen die deutsche Militärakademie in Istanbul. Ein relativ kleiner Kreis an Türken und Deutschen bestimmte die gesamte Orientpolitik und waren an den Deportationen und Massakern an den orientalischen Christen als politisch und militärisch Verantwortliche beteiligt.

Die Veranstaltung wurde vom Göppinger Solidaritätsbündnis für Rojava organisiert. Unter den etwa 120 Gästen waren Angehörige der Suryoye, Armenier, Pontosgriechen, Türken, Kurden und Deutsche. Überraschend viele junge Menschen kamen, um sich zu informieren. In einem sachlichen und respektvollen Rahmen ließen es sich die Gäste nicht nehmen, viele zum Teil äußerst fundierte Fragen an den Autor zu stellen. Gottschlich selbst vertritt die Auffassung, dass es ohne den deutschen Bündnispartner im 1. Weltkrieg nicht oder nicht in dieser Form zu einem Genozid im Osmanischen Reich gekommen wäre. „Nationalistisches Gedankengut sowie eine unmenschliche Kriegslogik und weniger die Religion selbst waren die wichtigste Ursache des ersten Völkermords im
20. Jahrhundert“ urteilte er abschließend selbst.

Kurzinfo: Buch „Beihilfe zum Völkermord“. Verlag Ch. Links, Berlin, 344 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-3-86153-817-2

Quelle: Pressemitteilung des Göppinger Solidaritätsbündnis für Rojava vom 23.4.2015

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